Was ist Aquaponic?

Aquaponic ist eine Polykultur von Fischzucht und Nutzpflanzenkulturen, welche in den Wasserkreislauf integriert sind. Das Wort setzt sich zusammen aus Aquakultur (Fischproduktion) und Hydroponic (Pflanzenproduktion in Wasser ohne Boden) Es existieren verschiedene Arten solcher Systeme, die meisten verwenden schwimmende Pflanzgefässe zur Produktion von Blattgemüse wie Salate. Das primäre Ziel besteht im Recycling der im Fischwasser enthaltenen Nährstoffe

Das erste Aquaponic System in Waedenswil mit Tilapia

Die Verbindung von Speisefischproduktion und Pflanzenkulturen bildet seit 1994 einen Forschungsschwerpunkt der Fachstelle. 1999 arbeitete die Fachstelle Ökotechnologie in einem zweijährigen KTI-Projekt im Tropenhaus Ruswil. Ziel war die Fischproduktion im geschlossenen Nährstoffkreislauf. Basierend auf diesen Erfahrungen entstand 2002 im Gewächshaus der Fachhochschule ein neuer Typ von Aquaponic, das Blähton (LECA) als Rieselfilter verwendet und eine vollständige Schlammverwertung ermöglicht.

Mit Tilapien, einer tropischen Speisefischart, Tomaten und Auberginen im Gewächshausbetrieb ist das System soweit ausgereift, dass es als kommerzielle Anlage betrieben werden kann. Die Wirtschaftlichkeit ist jedoch nur gegeben, wenn die notwendige Energie in Form von günstiger Abwärme vorliegt.

Die Vorteile dieses Systems sind tiefe Materialkosten sowie seine Eignung für nahezu alle Nutzpflanzen. In den vergangenen fünf Jahren wurden Semester- und Diplomarbeiten durchgeführt zur Produktion von Schnittrosen, Tomaten, Gurken und Auberginen. Die Erträge im Fischwasser wurden verglichen mit einer Kontrollpflanzung, die mit Standard-Dünger versorgt wurde. Die Anbauversuche zeigen, dass im Fischwasser vergleichbar gute Erträge möglich sind wie in konventionellem Anbau.

Versuche mit verschiedenen Sorten von Auberginen und einer Auswahl von Tropenpflanzen wie Bananen in der Aquaponic Wädenswil

Kreislaufanlagen in der Fischzucht als Zusatzerwerb für die Schweizer Landwirtschaft

Die Aquaponic von Tilapien und Tomaten erfordert eine Minimaltemperatur von 20 °C und setzt somit eine Gewächshaus-Infrastruktur mit Heizsystem voraus. Dadurch ist die Anwendung beschränkt auf Standorte mit lokal anfallender Abwärme. Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW unterstützt ein dreijähriges Forschungsprojekt (2004-2007), um das System mit einheimischen Fischarten wie Forellen und Flussbarschen (Egli) auch ausserhalb von Gewächshäusern zu etablieren.

Über 97 % des Fischkonsums in der Schweiz wird importiert, oft aus ökologisch und tierrechtlich zweifelhaften Fischzuchten. Die Schweizer Fischzüchter ihrerseits produzieren unter kontrollierten Bedingungen Qualitätsfisch für den regionalen Markt. Auch der Schweizer Landwirt könnte nebst Vieh und Geflügel Fisch produzieren und so die Angebotslücke als neuen Erwerbszweig erschliessen. Ziel des Projektes ist, Kreislaufanlagen für eine integrierte Fisch- und Pflanzenproduktion (Aquaponic) zu entwickeln. Landwirte sollen zwischen technisch anspruchsvollen Intensivkulturen mit entsprechendem Investitionsbedarf und extensiv betriebenen Kleinanlagen für den Nebenerwerb wählen können. Die Produktion aus Kleinanlagen (1 - 5 t Fisch pro Jahr) soll via Verarbeitungs- und Vermarktungscentren von Grossproduzenten abgesetzt werden.

Die Anlagen sollen die Umwelt nicht belasten. Abwässer und Schlämme werden in einer integrierten Pflanzenproduktion genutzt, wo Kräuter und Gemüse mit hohem Nährstoffbedarf gezogen werden. Dadurch wird der Frischwasserverbrauch verglichen mit konventionellen Monokulturen reduziert und sämtliche Nährstoffe als Dünger genutzt.

Versuchsanlage im Gewächshaus der FH Wädenswil und Tomaten produziert im Fischwasser

Entwicklung von Freiluftanlagen zur Produktion von Forellen, Erdbeeren und Bergkräutern

In Wergenstein im Kanton Graubünden wurde auf 1400 Meter über Meer eine Versuchsanlage zur Produktion von Forellen und Bergkräutern installiert. Die Resultate von 2004 zeigen, dass das System auch im rauhen Bergklima funktionsfähig ist. Die ersten Versuche in der Aquaponic Waedenswil bestätigen, dass sich Egli innert 6 Monaten vom Jungfisch auf 120 g aufziehen lassen.

Versuchsanlage beim Hotel Restaurant Piz Vizan in Wergenstein mit Erdbeeren und Kräutern

Weitere Informationen finden Sie auf der Projektseite Aquaponic BLW.

Die Nutzung von nährstoffhaltigem Abwasser aus Fischzuchten könnte auch in Entwicklungsländern interessant sein. In Indonesien wird die Anpassung des Aquaponic-Konzeptes auf die örtliche Situation in internationaler Zusammenarbeit geprüft Projektseite Aquaponic in Indonesien.